FAQ

Häufige Fragen (FAQ)

 

Was ist Psychotherapie?

Das Psychotherapeutengesetz von 1999  definiert Psychotherapie als „Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist“. „Störungen mit Krankheitswert“ sind beispielsweise Angststörungen oder Depressionen. Eine offizielle Übersicht und Definition psychischer Störungen finden Sie in der ICD-10.

Es existieren zahlreiche Psychotherapieverfahren. Vom Gesetzgeber sind jedoch nur drei Verfahren als „Richtlinienverfahren“ zugelassen und damit als ausreichend wissenschaftlich fundiert anerkannt. Dazu zählen:

° Verhaltenstherapie
° Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
° Psychoanalyse

 

Wann ist eine Psychotherapie ratsam?

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Jeder Mensch kennt psychische Beschwerden. Jeder Mensch gerät im Laufe seines Lebens in verschiedene Krisen. Häufig gelingt es vielen, diese Krisen ohne professionelle Hilfe zu bewältigen. Die menschliche Psyche verfügt über beachtliche Selbstheilungskräfte. Viele Menschen haben Familie und Freunde, die sie hierbei wirkungsvoll unterstützen können.

Manchmal gelingt es jedoch über Wochen und Monate nicht, aus eigener Kraft oder durch Gespräche mit einem Partner oder Freund wieder ins Lot zu kommen. Die psychischen Probleme bleiben bestehen, entwickeln oftmals auch eine negative Eigendynamik, der sich der Einzelne allein nur schwer entziehen kann. Dann könnte es sinnvoll sein, einen Psychotherapeuten aufzusuchen und in einem persönlichen Gespräch zu klären, ob eine Behandlung ratsam ist.

Manchmal sind psychische Erkrankungen auch nicht so einfach zu erkennen. Es gelingt, die schwierigen Gefühle zu umgehen. Eine Freundin geht für Sie im Kaufhaus einkaufen, dessen Gewimmel immer wieder Panikanfälle auslösen – und schon ist die übermächtige Angst vor vielen Menschen nicht mehr spürbar. Trotzdem kann sich die psychische Störung, die tatsächlich besteht, weiter verfestigen und dauerhaft werden. Es kann sich also auch bei gelegentlichen, aber wiederkehrenden außergewöhnlichen Gefühlen lohnen, sich mit einem Psychotherapeuten darüber zu unterhalten.

Unten sind „Erste Fragen an sich selbst“ aufgelistet, die Ihnen weiter dabei helfen können zu klären, was mit Ihnen los ist und ob es ratsam ist, sich um professionelle Unterstützung zu bemühen. Diese Fragen helfen zur ersten Orientierung, eine Beratung oder gar Therapie ersetzen sie nicht.

 

Erste Fragen an sich selbst

Wenn Sie noch eingehender prüfen möchten, ob für Sie eine Psychotherapie in Frage kommt oder nicht, hilft Ihnen vielleicht folgende Frageliste weiter:

  • So kenne ich mich nicht! Fühle ich mich anders als sonst?
  • Beunruhigt mich diese Veränderung?
  • Gibt es eine Erklärung für die Veränderung?
  • Reicht diese nicht aus, um die Dauer und Heftigkeit der Beschwerden zu begründen?
  • Kann ich meine tägliche Arbeit nur noch mit Mühe verrichten?
  • Mache ich mir immer Sorgen und habe ich viel Angst?
  • Leide ich unter körperlichen Beschwerden?
  • Ist mein Schlaf gestört, schlafe ich zu wenig oder zu viel?
  • Fühle ich mich oft aggressiv, hasserfüllt, gereizt oder bin ich sehr intolerant?
  • Bin ich oft krankgeschrieben?
  • Habe ich Selbstmordgedanken?
  • Habe ich kaum noch Menschen, mit denen ich über meine Probleme sprechen kann?
  • Helfen Gespräche mit Freunden nicht mehr?
  • Fällt die Veränderung auch anderen deutlich auf?
  • Ist das schon länger als drei Monate so?
  • Ist mir das alles egal?

Quelle: Rosemarie Piontek: Mut zur Veränderung. Methoden und Möglichkeiten der Psychotherapie. Bonn, 2009

 

Was ist ein Psychologischer Psychotherapeut?

Psychologische Psychotherapeuten sind Diplom-Psychologen (bzw.Master of Science/M.Sc. Psychologie), mit einem abgeschlossenen Psychologiestudium sowie einer umfangreichen, staatlich anerkannten Therapieausbildung. Ein Psychologischer Psychotherapeut ist approbiert, dass bedeutet er besitzt die staatliche Anerkennung und die Genehmigung zur Ausübung der Heilkunde und ist im Arztregister eingetragen.

Was ist ein Psychiater?

Ein Psychiater ist ein Arzt mit einem abgeschlossenen Medizinstudium und einer Ausbildung zum „Facharzt für Psychiatrie“. Psychiater kümmern sich in erster Linie um die Diagnostik und Behandlung psychisch erkrankter Menschen. Sie stellen zum Beispiel körperliche Ursachen einer psychischen Erkrankung fest und verordnen Medikamente. Psychiater bieten eher seltener Psychotherapie an.

 

Was ist Verhaltenstherapie?

Die Verhaltenstherapie ist ein wissenschaftlich überprüftes Psychotherapieverfahren, welches seit Jahrzehnten einen festen Platz in der psychosozialen und psychotherapeutischen Versorgung hat. Die Wirksamkeit der Verhaltenstherapie gilt bei einem breiten Spektrum an psychischen Störungen und (Verhaltens-) Problemen als belegt.

Die Verhaltenstherapie basiert vorwiegend auf den Erkenntnissen der Lern- und Sozialpsychologie mit dem Ziel der Veränderung von problematischem Verhalten.

Seit ihrer Entstehung wurde die Verhaltenstherapie durch neue Erkenntnisse und Forschungsergebnisse ständig weiterentwickelt. Neben den bewährten Lerntheorien kommen in der modernen Verhaltenstherapie eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden und Techniken zum Einsatz. Für eine Therapie stehen daher vielfältige Behandlungsansätze zur Verfügung, von denen je nach Problemlage und in Absprache mit dem Patienten der jeweils erfolgversprechendste Ansatz zur Anwendung kommt.

 

Wodurch zeichnet sich Verhaltenstherapie aus?

Die Verhaltenstherapie ist gekennzeichnet durch umfassende Theorien zur Entstehung und Aufrechterhaltung von psychischen Störungen. Zu Beginn einer Verhaltenstherapie erfolgt daher immer eine individuelle Problem- und Verhaltensanalyse mit dem Ziel, die in der Lebensgeschichte wesentlichen Entstehungsbedingungen sowie die aktuell aufrechterhaltenden Bedingungen zu identifizieren. Vor dem Hintergrund dieser Problem- und Verhaltensanalyse wird ein individuelles Störungsmodell erstellt, aus dem sich dann die jeweils geeigneten Behandlungsstrategien ableiten lassen. Im Rahmen dieses Prozesses erfolgt auch immer eine individuelle Klärung und Vereinbarung von Therapiezielen.

Das breite Spektrum der Behandlungsansätze in der Verhaltenstherapie kann grob in folgende Unterpunkte aufgegliedert werden:

1) Methoden zur aktiven Auseinandersetzung und Bewältigung von problematischen Situationen, z.B. bei der Überwindung von Ängsten oder Selbstunsicherheit

2) Methoden zur Veränderung von Verhaltensweisen, z.B. Zunahme von erwünschtem Verhalten, Abnahme von problematischem Verhalten, Erlernen von neuem Verhalten

3) Methoden zur Veränderung von belastenden und wenig hilfreichen Gedanken und Sichtweisen, z.B. die Erarbeitung von hilfreichen und zielführenden Einstellungen im Umgang mit Problemen und Belastungen

4) Methoden zur Verbesserung der Selbstregulation als übergeordnete Strategie mit dem Ziel, zum Experten für sich selbst zu werden (Hilfe zur Selbsthilfe)

 

Warum gibt es Praxen ohne sog. Kassensitz? Was bedeutet Kassensitz?

Wenn ein Psychologe/Psychotherapeut einen „Kassensitz“ hat, dann heißt das, dass dieser Psychotherapeut gesetzlich krankenversicherte Patienten behandelt. Der Psychotherapeut bekommt sein Geld also von der gesetzlichen Krankenkasse des Patienten. Natürlich kann der Psychotherapeut dazu auch Privatpatienten haben. Aber mit einem „Kassensitz“ hat er auch die Pflicht, Patienten aus einer gesetzlichen Krankenversicherung zu behandeln. Einen Kassensitz zu bekommen, ist für Psychotherapeuten nicht leicht, denn wenn sie auch „Kassenpatienten“ behandeln wollen, dürfen sie sich nur dort niederlassen, wo noch ein freier Platz ist (siehe gesperrte Gebiete). Ein Psychotherapeut, der „Kassenpatienten“ behandelt, ist ein sogenannter „Vertrags- Psychotherapeut“

Was sind gesperrte Gebiete?

Es gibt viele Gebiete, die für Psychotherapeuten „gesperrt“ sind, denn es sollen sich nicht zu viele Psychotherapeuten auf engem Raum niederlassen. Schließlich müssen die Psychotherapeuten ja auch bezahlt werden. Ist der Bedarf an Psychotherapeuten gedeckt, dürfen sich keine weiteren Psychotherapeuten niederlassen – wenn sie denn gesetzlich versicherte Patienten behandeln wollen.

Da die Kassensitze rar sind, verkaufen alte Psychotherapeuten ihre Kassensitze oft für teures Geld an ihre jungen Nachfolger. In Düsseldorf kann ein Psychotherapeut schon einmal locker 80.000 – 90.000 Euro zahlen, wenn er sich in einem bestimmten Gebiet als Kassen- Psychotherapeut niederlassen will. Das ist wohlgemerkt nur der Preis für den Kassensitz – die Praxis selbst (Raummiete, Ausstattung…) kostet natürlich nochmals zusätzlich Geld.

Trotz dieser Wucherpreise ist die Nachfrage nach einem Kassensitz hoch und auf einen ausgeschriebenen Kassensitz melden sich zahlreiche, kaufwillige Bewerber.

Wenn ein Psychotherapeuten keinen Kassensitz hat, kann er im Rahmen einer „Privatpraxis“ arbeiten (Siehe auch Kosten/Kostenerstattung).